Warum hast du dein Studium abgebrochen, Carolin?

Endlich geht die Serie #menschendiemutigeentscheidungentreffen weiter!

Wenn du die vorherigen Interviews noch nicht gelesen hast und es jetzt nachholen möchtest, kannst du sie hier finden.

Carolin ermutigt auf ihrem Instagramaccount (@carolinsue) täglich zehntausende dazu, sich selbst so zu akzeptieren und zu lieben, wie man ist, und teilt leckere und gesunde vegane Rezepte. Darüber hinaus erzählt sie oft auch von ihren Erfahrungen im Modelbusiness, die alles andere als glamourös waren.

Ich habe Carolin zum Interview eingeladen und wollte wissen, welche mutigen Entscheidungen sie getroffen hat.

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Ich habe damals mein Studium nach zwei Semestern abgebrochen.

Es war so, dass ich mit 17 mein Abi gemacht habe und schon ein, zwei Jahre vor Schulabschluss natürlich die Frage aufkam: Was machst du danach?

In der Schule wird das thematisiert, aber auch Zuhause – und ich hatte diese dicken Bücher, wo alle Studiengänge drin stehen, die es so gibt, und habe die komplett verzweifelt durchgeblättert, weil ich wirklich keinen blassen Schimmer hatte. Ich hatte Null Ahnung, wirklich gar nicht. Also ich wusste nicht, was ich mag, was ich kann, was ich will - gar nichts. Aber dieser Druck hing mir im Nacken: Du musst jetzt wissen, was du studierst. Und als ich dann mein Abi gemacht hatte, wusste ich es immer noch nicht.

Meine Mama hat in der Zeit in Berlin gewohnt und ich bin dann nach Berlin gegangen und wollte ein Praktikum machen, weil ich dachte, es könnte mir helfen. Ich hab dann nach einem gesucht und habe aber irgendwie nichts gefunden - ich weiß nicht, woran es lag. Aber ich habe keinen Praktikumsplatz gefunden, der jemanden genommen hat, der kein Student ist. Ich hab dann stattdessen ein paar Minijobs gemacht und war auf jeden Fall etwas verloren, weil ich überhaupt nicht wusste, was ich machen soll und so gut wie alle meine damaligen Schulfreunde hatten schon ein Studium angefangen.

Und da bin ich ein Jahr lang tatsächlich so vor mich hingedümpelt, hab hier und da mal kleine Jobs gemacht und war dann irgendwann so unter Druck, den ich mir auch zum großen Teil selber gemacht hab, dass ich unbedingt etwas studieren muss. Nach dem Motto: „Kann ja jetzt nicht sein, dass ich noch ein Jahr nichts mache.“ Und dann habe ich mich einfach für Studiengänge eingeschrieben, die keinen NC hatten – relativ planlos. Ich glaube es waren damals Kulturmanagement, China-Studien, und bestimmt noch zwei, die ich schon gar nicht mehr weiß. Ich wurde dann nicht mal bei allen genommen, aber bei China-Studien schon. Da war ich dann 19 und dachte: Ja komm, Chinesisch zu lernen ist doch bestimmt total hilfreich in der Zukunft. Keine Ahnung, was ich mir da gedacht habe. Aber ich dachte mir: Das mache ich jetzt einfach, bevor ich gar nichts mache.

Da bin ich dann rein gestartet und erste Semester war auch okay, ehrlich gesagt. Also die Sprache zu lernen war ganz interessant. Aber im zweiten Semester dachte ich mir schon: Also irgendwie ist hier etwas komplett falsch. Ich saß da in einem Kurs für Koreanische Geschichte und dachte mir so: Es könnte gar nicht entfernter von mir und meinen Interessen sein. Also ich bin komplett falsch gelandet und habe das da schon gemerkt. Aber ich wollte es mir auch nicht eingestehen, weil ich dachte: Das musst du jetzt halt durchziehen.

Meine Noten waren okay, aber irgendwie von Woche zu Woche und Monat zu Monat ging es mir immer schlechter damit. Ich habe immer Bauchschmerzen bekommen, wenn ich da hingefahren bin. Ich hab schon etwas darunter gelitten. Ich wollte da überhaupt nicht sein und hab mir erstmals erlaubt den Gedanken zuzulassen, ob ich es nicht vielleicht lassen sollte. Ich erinnere mich da an einen Morgen, da bin ich um 5 Uhr morgens aufgewacht, weil ich da schon so in diesem Gedankenchaos war und hab angefangen zu grübeln im Bett: Soll ich mein Studium abbrechen? Und: Was passiert dann?

Ich hab dann in irgendwelchen Foren gelesen, was andere vielleicht dazu sagen. Ich hab in meinem Kopf für mich schon den Entschluss gefasst und wusste aber natürlich auch noch keine Alternative. Also ich habe nicht gedacht: „Jetzt weiß ich, dass ich das und das studieren will - deswegen wechsle ich jetzt einfach.“ Sondern ich war immer noch planlos. Ich hab das dann meiner Mama gesagt - und ich hab das große Glück, dass ich eine Mama hab, die überhaupt keinen Druck auf mich ausübt. Sie hat gesagt: „Wenn du schon Bauchweh dabei hast, dann geh da nicht mehr hin. Geh einfach nicht mehr hin.“ Sie war auch die einzige in meinem Umfeld, die so war. Da bin ich sehr dankbar für, denn wenn die engsten Leute dann wirklich sagen: „Nee, das musst du jetzt machen. Pech gehabt.“ – ist es glaube ich noch schlimmer. Es fiel mir ja trotzdem schon schwer.

Es war absolut nichts Leichtfertiges. Es fühlte sich an, wie versagen. Auch wenn ich jetzt weiß, dass es absolut richtig war, und ich auch damals gespürt habe, dass es sein muss, hat es sich einfach angefühlt, wie: „Du hast jetzt richtig versagt. Alle wissen, was sie wollen. Alle ziehen es durch, und du hast versagt.“ Das war nicht einfach. Aber ich hab es dann tatsächlich gemacht. Ich bin dann am Schluss in die letzten Vorlesungen schon nicht mehr gegangen und habe mich dann exmatrikulieren lassen. Und dann stand ich gefühlt wieder vor dem Nichts. Das war auf jeden Fall die Entscheidung, die ich sehr mutig finde, weil sie mir so schwer gefallen ist.

Was war denn jetzt letztendlich der ausschlaggebende Punkt? Also gab es so einen Moment, wo du dann gesagt hast: Ich mach das jetzt. Ich exmatrikuliere mich?

Ja. Also ich glaube es war dieser eine Moment in dieser einen bestimmten Vorlesung. Es gibt natürlich im Leben Dinge, die sind nicht so toll. Aber wenn du einfach das Gefühl hast, du bist hier komplett falsch - also falscher geht es gar nicht zu deinen persönlichen Interessen. Ich dachte: Das kann ich jetzt einfach nicht weitermachen. Ich kann mich nicht dafür begeistern. Ich kann mich dafür nicht motivieren. Das bin nicht ich.

Und mein Körper zeigt mir immer sehr deutlich, wenn irgendwas nicht gut ist. Ich kann dann schwer sagen: Ich mache das trotzdem. Also ich hab da auch wirklich Bauchschmerzen bekommen und alles hat sich gewehrt. Also es gab eigentlich fast keine Alternative. Und der Zuspruch von meiner Mama hat mir da natürlich auch nochmal geholfen.

Ja, kann ich mir vorstellen! Gerade von einer Person, die dir auch so nahesteht. Oft sind es ja die Eltern bei vielen anderen, die sich dagegen sträuben und den Wert der Sicherheit als Priorität haben und dir sagen: „Zieh das durch, gib nicht auf!“ Deswegen ist es total schön, dass deine Mama da so sensibel war und da auf dich eingegangen ist.

Auf jeden Fall. Alle anderen in meinem Umfeld… also ich bin auch in Süddeutschland aufgewachsen, da ist alles noch konservativer, bin ich da auf sehr viel Unverständnis gestoßen. Und gerade wenn man selbst noch so jung ist und überhaupt keine Ahnung hat, wer man ist, und alle einen fragen: „Was machst du denn jetzt?“ Und immer der Satz: „Du musst doch ein Studium haben.“ Und das hat mich schon extrem unter Druck gesetzt und war auch echt schwierig für mich. Ich weiß nicht, wie andere das können. Ich kann das dann nicht einfach machen, nur weil andere das von mir verlangen. Trotzdem ist es schwierig, sich da ständig rechtfertigen zu müssen.

Was hat es denn mit dir gemacht, dass da so viel Kritik kam?

Es hat mich auf jeden Fall extrem verunsichert. Ich war ja sowieso schon unsicher. Ich glaube erst wenn man irgendwo angekommen ist, wo man selbst sich wohl fühlt, dann kann man auch anderen gegenüber einfach geradestehen für die Person, die man ist. Aber das war ich mit 19, 20 noch nicht. Überhaupt nicht. Da hat mich jede kleine Bemerkung quasi umgeworfen. War tatsächlich schwierig, aber da muss man einfach durch.

Das stimmt! Nur so lernen wir dazu und finden heraus, wer wir sind, was wir wollen, oder was wir erreichen wollen. Da muss man manchmal leider auch durch das Unangenehme.

Ich hab dann auch einfach angefangen zu arbeiten und hatte dann auch einen coolen Job, wo ich total viel Verantwortung bekommen habe und viele spannende neue Aufgaben, wo ich viel gelernt habe. Und mein Chef damals hat auch zu mir gesagt, ihm ist es wichtig, dass da eine Person ist, die er menschlich erstens cool findet, und die zweitens auch persönliche Skills hat. Und ob sie jetzt einen Abschluss dort stehen hat, oder nicht, ist ihm einfach nicht so wichtig.

Und da habe ich für mich die Erkenntnis gefasst, die dann auch so einen Wechsel in meine Zweifel gebracht hat: Ich will gar nicht für eine Person arbeiten, die mich nur einstellt, weil ich einen Abschluss habe. Weil ja viele sagen: „Du kriegst den und den Job nur, wenn du ein Studium absolviert hast. Das muss so sein.“ Und ich möchte aber für so eine Person gar nicht arbeiten. Ich möchte nicht in einem Beruf arbeiten, in dem man mich nur wegen so einem Zettel einstellt. Und deswegen will ich auch keinen Weg gehen, der mich irgendwo hinbringt, wo ich gar nicht hinwill. Klar, wenn ich jetzt ein klares Interesse für einen Studiengang hätte, dann ja. Ich find Studieren toll und Bildung ist wichtig. Aber dieses zwanghafte hat mir einfach gar nichts gebracht.

Du hast quasi immer zwei (oder natürlich auch mal mehrere Wege), die du gehen kannst. Und wenn ich immer den Weg laufe, den ich gar nicht gehen will, aber andere mir sagen, ich soll da lang gehen, dann komme ich am Ende auch irgendwo raus, wo ich gar nicht sein will. Wenn ich immer den anderen Weg gehe, wo ich ein gutes Gefühl habe, dann komme ich auch da heraus, wo ich hinwill. Auch wenn da sonst niemand lang geht. Da für mich einzustehen, dass ich nun mal einfach nicht diesen klassischen Weg gehen will, hat es dann irgendwann so für mich gestärkt, das dann auch zu rechtfertigen.

Wie ging es dir denn, als du die Entscheidung selber getroffen hast? Du hast ja vorhin beschrieben, du hattest Bauchschmerzen als Indikator dafür, dass dir das nicht gut tut, sich da was verändern muss. Hattest du dann ein anderes Gefühl, als du deine Entscheidung in die Tat umgesetzt hast?

Auf jeden Fall. Also ich glaube während diesem gezielten Prozess war ich schon noch verunsichert. Aber danach war es extrem erleichternd. Also der Knoten im Bauch hat sich aufgelöst. Es ist auf jeden Fall eine Last von mir gefallen. Und ich habe gesehen: ich hab’s überlebt. Es ist nichts Schlimmes passiert, was man ja währenddessen manchmal denkt. Und dann sieht: Jetzt habe ich es gemacht und es ist gar nichts Schlimmes passiert. Das ist ein wichtiges Learning.

Ich hätte in meiner Schulzeit oder in meiner Abi-Zeit gerne mal gehört, dass es viele verschiedene Lebenswege gibt. Und die gibt es nun mal. Es gibt tausende verschiedene Weisen und Möglichkeiten zu leben. Und davon wusste ich einfach nichts. Ich wusste nicht, dass es das gibt. Und ich finde man sollte vieles gesehen haben, also vorgezeigt bekommen haben und dann entscheiden können: Ah ja, das möchte ich gerne.

Ich glaube auch in der Schulzeit, wenn es darum geht… In der Schule wird ja einem beigebracht, wie man Bewerbungen schreibt usw. und dass man sich ja relativ früh entscheiden muss, welchen beruflichen Weg man geht. So wird einem ja schon eingetrichtert: Du entscheidest dich jetzt, und nur für diesen Weg arbeitest du hin. Es wird dir nicht gesagt, dass für einen so viel offen steht.

Ja, das war vor fünfzig oder hundert Jahren auch vielleicht so. Also unsere Großeltern und unsere Eltern - ja, sie haben einen Beruf erlernt und sie haben den dann ihr Leben lang gemacht. Und wenn diese Generation Eltern uns erzieht und denkt, dass wir das auch so machen müssen, kommt das eben dabei raus. Es ist ja auch nur gut gemeint.

Aber ich glaube die Welt hat sich einfach ein bisschen verändert und wird sich auch noch mehr verändern. Das ist jetzt einfach nicht mehr so. Und das würde ich gerne meinem siebzehnjährigen Ich sagen: Es gibt tausend Möglichkeiten. Probiere es einfach aus. Und auch nochmal eine Sache, die mir sehr geholfen hat, die bestimmt auch anderen hilft, die generell nicht wissen, für was sie sich entscheiden sollen oder was sie vielleicht mit ihrem Leben machen sollen: Man muss sich einfach ausprobieren.

Und ich sehe auch dieses Studium und den Abbruch überhaupt nicht mehr als Versagen. Ich habe es ausprobiert. Ich wusste nicht, ob ich es gut finde, oder nicht. Probiere Jobs aus, probiere Praktika aus, probiere Ausbildungen aus oder Studiengänge und wenn es blöd ist, wechsle es, oder, oder… Nur so kannst du es herausfinden. Du kannst es nicht in einem Buch nachlesen. Das bringt gar nichts.

Ein sehr wichtiger Punkt! Weil es auszuprobieren ist auch eine Entscheidung. Man wählt es ja ganz bewusst, um eben herauszufinden, was man möchte.

Genau. Und was mir auch noch aufgefallen ist: Das ist jetzt knapp fünf Jahre her und ich habe es fast schon wieder vergessen. Es spielt gar keine Rolle mehr, es hat gar keinen großen Stellenwert mehr. Und wenn ich mir überlege, wie riesengroß und unüberwindbar mir das mal erschienen ist. Es spielt heute gar keine Rolle mehr und das finde ich auch sehr erstaunlich für vielleicht Entscheidungen, die mir jetzt groß vorkommen, dass ich mir denke: In fünf Jahren wird es nicht mehr so relevant sein. Das ist auch wichtig, sich das nochmal ins Gedächtnis zu rufen.

Ja, das stimmt. Du hast ja schon angefangen zu erzählen, was die Entscheidung so für dich auch verändert hat. Auch dein Mindset gegenüber dem, dass es halt nicht nur den einen Weg gibt, sondern es auch okay ist, Dinge auszuprobieren und die Erkenntnis zu haben, es passt doch nicht. Kannst du nochmal darauf eingehen, was die Entscheidung für dich verändert hat?

Es hat auf jeden Fall verändert, dass ich erkannt habe, dass es nichts bringt, das zu machen, was andere von mir wollen. Auch das habe ich mal ausprobiert, weil ich dachte: Okay, mache ist das jetzt halt mal. Ich hab dann aber gemerkt, dass das für mich überhaupt nicht funktioniert und es war auf jeden Fall ein wichtiges Learning, von dem ich auch jetzt noch einen Nutzen habe.

Und außerdem eben, wie du gesagt hast, dass Karrierewege einfach individuell sind, und dass es Möglichkeiten gibt, die man einfach nicht planen kann - die einfach aus dem Nichts um die Ecke kommen können. Dass ich auch ein bisschen Vertrauen haben kann und dass es total in Ordnung ist, dass man Dinge ausprobiert und nicht sofort weiß, was man die nächsten vierzig Jahre sicherlich toll finden wird. Das ist einfach in Ordnung und normal.

Und das einzige, was du falsch machen kannst, ist gar nichts zu machen. Hauptsache du probierst Sachen aus und dann lässt du es auch wieder, wenn es dir nicht gefällt. Was sollst du in diesem Leben sonst machen. Was anderes würde für mich gar keinen Sinn machen.

Hast du schön gesagt! Hat denn die Entscheidung, die du getroffen hast, auch deine Art und Weise, wie du entscheidest, verändert?

Also ich glaube gerade die Erkenntnis, dass man danach merkt, dass nichts Schlimmes passiert ist, dass die Welt nicht untergegangen ist oder was auch immer. Das hat auf jeden Fall was verändert, weil du dann beim nächsten Mal denkst: Okay, das war ja schon nicht so schlimm. Dann wird es das jetzt bestimmt auch nicht.

Und auch rückblickend, dass das so ein tolles Learning war - egal wie groß und schwerwiegend dir das gerade vorkommt, es ist einfach ein Teil deines Prozesses, und in ein paar Jahren wird es nicht mehr so groß sein. Das wird sich auch relativieren. Und das hilft natürlich bei neuen Entscheidungen auch sehr.

Wie triffst du denn Entscheidungen? Fällt dir das relativ leicht insgesamt, oder bist du schon eine, die lange grübelt und sich in manchen Dingen auch unsicher ist?

Ich würde sagen so generell fällt es mir eher leicht, vor allem zu erkennen, was mein Gefühl oder was mein Verstand ist. Also mir fällt es immer leicht zu sehen: Ist es jetzt das, was ich will, oder ist es was, was andere wollen?

Aber natürlich ist meine Angst oft sehr groß. Also ich brauch dann manchmal eine Weile (lacht). Aber es ist jetzt nicht so, dass es mir schwer fällt zu erkennen, was ich will oder nicht will. Aber manchmal fällt es mir ein bisschen schwer, es dann umzusetzen, bzw. es dauert dann ein bisschen. Aber ich mache es dann. Also tendenziell eher leichter.

Würdest du dich dann eher als eine entschlossene oder doch eher unentschlossene Person bezeichnen?

Ich glaube schon eher entschlossen. Ich hab jetzt nicht das Gefühl, dass es in meinem Leben so Bereiche gibt, wo ich sage: Da kann ich mich überhaupt nicht entschließen. Es dauert halt wie gesagt manchmal ein paar Wochen oder vielleicht auch Monate, bis ich bereit bin oder es mir passt. Aber nein, ich mach das dann schon.

Ich finde auch, dass man entschlossen ist, wenn man sich Zeit dafür nimmt und überlegt und es auch mal kurz beiseite schiebt wenn es jetzt nicht die Priorität hat, sondern dann erst wieder zurück kommt, wenn es dann wirklich nötig ist, eine Entscheidung zu treffen.

Genau. Ich finde auch, wenn man vor etwas große Angst hat, sagen wir jetzt mal mein Studium abzubrechen, kann man sich ja trotzdem ein bisschen Zeit dafür nehmen. Das ist dann nicht so: Jetzt musst du es sofort machen. Sondern es ist dann auch total okay, wenn man sagt: Ich spüre, dass ich das nicht mehr möchte, aber ich bereite mich da jetzt emotional ein bisschen darauf vor, um es auch zu schaffen. Das finde ich total in Ordnung.

Was ist dir im Leben wichtig?

Ich würde sagen, dass ich Entscheidungen, aber auch mein Leben so lebe, dass es aus Liebe und aus Freude heraus ist und nicht aus Angst. Man sagt ja oft bei Entscheidungen „Hör auf dein Gefühl” oder es heißt Gefühl gegen Verstand. Aber ich finde das stimmt manchmal nicht so richtig, denn oft ist es ja die Angst, die einen davon abhält, eine Entscheidung zu treffen. Und die Angst ist ja auch ein Gefühl.

Also wenn man sagt „Hör auf dein Gefühl” könnte es auch sein, dass du denkst: Eigentlich möchte ich das nicht mehr. Aber dein Gefühl ist die Angst, die dich davon abhält eine Entscheidung dagegen zu treffen.

Deswegen überlege ich immer: Wenn ich das jetzt mache, mache ich es aus Angst oder mache ich es aus meiner Freude und meiner Liebe heraus. Also das ist es, was mir sehr wichtig im Leben ist und darauf will ich auch später zurückblicken können. Und wenn ich auf dem Sterbebett liege, dann will ich nicht sagen „Super, ich habe alles gemacht, wie die Leute es von mir erwartet haben,” sondern: „Krass. Ich habe es echt geschafft, nach meiner Liebe und Freude zu handeln!” Ein bisschen pathetisch…

Nein, das ist voll schön!

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Carolin schreibt seit kurzem auch auf ihrem Blog u.a. über die Themen Selbstliebe und -akzeptanz. Dort findest du übrigens den zweiten Teil des Interviews, in dem sie über ihre Entscheidung spricht, für sechs Monate alleine nach Mumbai zu reisen.