Mutige Entscheidungen: Jana verließ ihren gutbezahlten Job und langjährigen Freund, und ging raus in die Welt und in die Selbstständigkeit als Empowerment Coach

Meine Wochenserie #menschendiemutigeentscheidungentreffen geht mit Jana heute in die fünfte Runde!


Jana meldete sich nach meinem Aufruf auf Instagram als erste bei mir und schrieb: „Mutige Entscheidungen treffen kann ich und dann doch mal wieder nicht. 😅 Meine stärkste Mutgeschichte: aus super bezahltem Konzernjob, langjähriger Beziehung raus in die Welt und in die Selbstständigkeit als Empowerment Coach.” Daraufhin lud ich sie zu einem Gespräch ein:

Du hast ja in einem Konzern gearbeitet. Was hast du da gemacht?

Ich war Projektmanagerin, in der IT. Ich hab Wirtschaftsinformatik studiert bei dem Konzern und bin dann da auch direkt in den Job eingestiegen und war sehr lange - also ich habe 6 Jahre für sie fest gearbeitet und schon vorher 3 Jahre mit ihnen studiert. Und irgendwann war da so ein: das funktioniert für mich nicht, habe es aber nicht gemerkt. Das war irgendwie das Spannende daran.

Ich hab schon gemerkt, dass es mich nicht zufrieden macht, dass es mir nicht gut geht. Aber ich wusste nicht wie da raus. Der Schmerz war auch nicht so groß, dass ich wirklich raus konnte. Also ich habe es noch nicht geschafft zu sagen: „So, ich gehe jetzt.” Und es hat bestimmt 2 Jahre gedauert, bis ich wirklich rausgegangen bin. Also es war für mich auch so ein Rausbrechen aus dem Ganzen. Es war sehr viel damit verbunden, dass ich mich da als Mensch auch nicht mehr gesehen, gefühlt habe. Sondern ich habe das Gefühl gehabt, ich bin so ne Nummer irgendwie. Und ich werde vom Management so in eine Schablone gepresst - und da muss ich auch einfach reinpassen - und wehe ich will irgendwas anderes. Und das war für mich so: Nee, nee. Ich bin Ich und ich möchte mich ausleben können und sein können, wie ich bin. Und meine eigenen Ideen auch mit einbringen können, was am Anfang auch super funktioniert hat. Aber irgendwann drehte sich das irgendwie - und es wurde mehr Kontrolle und Einschränkung als Freiraum.

Und ich war dazu Projektmanagerin. Ich war es gewohnt, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Und das konnte ich irgendwann nicht mehr. Also es wurde mir einfach immer abgenommen, weil ich dort jemanden hatte, die voll in der Kontrollsucht unterwegs war - so in meiner Wahrnehmung im Nachhinein. Und das ging für mich nicht mehr. Und am Anfang habe ich immer noch gesagt: Ja, das kriege ich schon hin und ich kann doch nicht das Team alleine lassen und es wär ja doof, wenn die jetzt alleine damit wären. Und dann war irgendwie so: Nee. Ich muss jetzt mal an mich denken und daran, wie mir es gerade geht - und mir geht es jetzt nicht gut damit.

Und das war sehr spannend, weil die Entscheidung, wirklich zu gehen, hab ich so wirklich dann in einem Teamevent im Sommer getroffen - also ich hab es so richtig gefühlt. In dem Moment, als ich mit einem Kollegen draußen saß und so gequatscht habe, lief bei mir innerlich ab: Das wird jetzt das letzte Mal sein, dass ich bei so einem Teamevent dabei bin. Das war vom Gefühl schon da, obwohl ich noch niemandem etwas gesagt habe. Es wussten alle, dass ich nicht super happy bin, aber ich hab noch niemandem was gesagt. Und es war so: Krass, okay. Und dann habe ich tatsächlich die Kündigung für mich schon geschrieben und war dann auf einem Seminar, wo es um Kommunikation und Veränderungsprozesse ging. Und da war der Gedanke: Ja da gehe ich jetzt hin, um herauszufinden, was ich dann stattdessen mache. Weil ich davor auch schon begonnen hatte, mich bei anderen Firmen zu bewerben, aber auch wieder als Projektmanagerin und da hab ich schon gewusst: Eigentlich will ich Coaching machen. Das ist es, was ich machen will. Das wusste ich wirklich da schon, weil ich einen Kollegen hatte, der das parallel zum Job gemacht hat. Und da wusste ich schon irgendwie: Das hätte was. Und ich hab da schon angefangen, die Studenten, die für mich gearbeitet haben, ein Stück weit mit zu coachen. Und denen auch zu zeigen: „Hey, es geht auch darum, was ihr wollt. Und nicht nur das, was jemand im Konzern von euch will. Sondern es geht darum, was ihr wirklich möchtet und euch entsprechend entwickelt. Und so wie es zu euch passt.”

Und dann habe ich das NLP Seminar mitgemacht und da war dann so: Ah ja, ja. Ich weiß immer noch, was ich machen will, aber irgendwie ist jetzt plötzlich einfach die Beziehung Thema, und ich dachte so: Hä? Wieso denn jetzt die Beziehung? Und dann war da so: Achso ja krass. Ich war auch damit nicht mehr glücklich die letzten zwei Jahre. Und ich habe es einfach nicht gemerkt und habs nicht verstanden. Weil alles nur vom Kopf her ablief, aber mein Gefühl passte einfach null dazu. Und das war dann der Antrieb - also das nicht mehr gut Fühlen. Und die Erkenntnis in diesem Seminar war: Folge dem, was sich für dich gut anfühlt. Und gut angefühlt hat sich: In die Welt rausgehen, endlich reisen - was ich nie so lange gemacht habe, wie ich es danach gemacht hab. Und eben aus diesem Job ausbrechen - und auch aus der Beziehung. So lieb, wie er war, und so lange wir auch zusammen waren - also wir waren fast 9 Jahre zusammen - es passte für mich einfach nicht mehr. Es gehörte nicht mehr in mein Leben. Und das war dann so …Schnipp (sie schnippt mit ihren Fingern) von einem Tag auf den nächsten gefühlt für die meisten. Und für mich war es im Nachhinein ein Prozess von zwei Jahren.

Kannst du dich an einen bestimmten Moment erinnern, wo du gemerkt hast: Jetzt muss ich die Entscheidung treffen? Also entweder jetzt oder gar nicht? Hast du so einen Moment gehabt, in dem du wirklich gesagt hast: „Jetzt treffe ich die Entscheidung?"

Mit dem Job war das definitiv der Punkt, wo ich mit dem Kollegen zusammensaß und so das Gefühl hatte: So, das war jetzt das letzte Mal in der Runde. Aber wirklich so: Ich mach das jetzt. Und dann mit der Trennung, das war dann so zwei Wochen später, wo dann die Entscheidung für mich gefallen ist. Und da war es auch ziemlich klar. Ich habe da eine Methode in dem Seminar mitgemacht, die sogenannte Timeline. Und bei dieser Zeitlinie habe ich für mich festgestellt: Er ist gar nicht mehr dabei. Er ist in meiner Vergangenheit, aber er ist nicht mehr dabei. Aber das war eine schmerzhafte Entscheidung. Also ich saß da den ganzen Tag heulend, weil ich es selbst auch nicht glauben konnte, dass dass jetzt echt zu Ende gehen soll.

Aber fühlte es sich dennoch richtig für dich an, oder gab es da schon Zweifel?

Nee, also die Zweifel gab es vorher. Also im laufe der zwei Jahre gab es Momente der Zweifel. Aber in dem Moment, wo ich es entschieden habe, gar keine. Es war für mich total klar. Damit gerungen habe ich dann, als ich es ihm tatsächlich gesagt habe. Da war dann noch so ein Moment der Zweifel, weil ich natürlich auch seinen Schmerz gesehen habe, seine Ungläubigkeit darüber, dass das jetzt wirklich passiert. Und das war dann so der Moment, wo ich dann noch einen kurzen Moment gezweifelt habe und dann aber so: Nee. Das ist jetzt wirklich das. Ich kann jetzt auch nicht irgendwie: „Lass uns jetzt noch ein halbes Jahr probieren,” oder so. Das fühlte sich total falsch an. Das war so: Nee, wenn ich das jetzt mache, dann fühlt es sich noch schlimmer an, als wenn ich jetzt gehe. Also ich würde ihm später noch mehr wehtun.

Und genauso war es im Job. Da hab ich auch gesagt bekommen: „Ja, du könntest ja auch ein Sabbatical machen und dann erstmal auf Reisen gehen und dann kommst du wieder.” Und dann war ich so: „Nee, das fühlt sich falsch an. Das wär… ich weiß doch eh, dass ich nicht zurück will. Warum soll ich euch jetzt erzählen, ich gehe in den Sabbatical, um dann wirklich nicht wiederzukommen.” Und das war dann so glasklar, wie es davor nicht war.

Ich hatte zu der Zeit auch so eine Phase, wo ich das Gefühl hatte, dass ich alles im Schleier erlebt habe. Es war nichts so richtig gut oder schlecht. Es war so ein Schleier. Und dann kam dann so plötzlich Klarheit. Ich sah wieder alles und ich fühlte wieder, was gut für mich ist. Das war echt abgefahren. (…)

Ich hab das Gefühl, es braucht auch diesen Schmerzpunkt. Also der muss so groß sein der Schmerzpunkt, dass es wirklich bricht. Und bei mir waren es halt diverse Sachen. Es steigerte sich immer mehr. Am Anfang war es vielleicht irgendwie die Verantwortung, die weniger wurde. Dann war es noch mehr Kontrolle. Dann hat es im Team nicht mehr richtig gestimmt und kam bei mir ein großer Faktor hinzu: ich war gesundheitlich am Ende. Ich hab so viel gearbeitet, hab 50, 60 Stunden die Woche gemacht, was einfach nicht normal ist. Und schon gar nicht jeden Tag hintereinander die ganze Zeit. Ich hatte das Problem mit Kopfschmerzen, die Verdauung war sowas von durcheinander. Da war nichts mehr normal irgendwie. Und da war wirklich so: Okay jetzt ist wirklich Ende.

Und da war dann noch ein Punkt irgendwann mit dem Thema Gehalt, wo ich dann verhandelt habe und wieder der andere die Gehaltserhöhung gekriegt hat, nur ich wieder nicht. Und da war erst recht so: „Wenn ich mich schon abrackere für euch, dann wenigstens zu einem vernünftigen Gehalt.“ Das war meckern auf hohem Niveau, definitiv. Aber für das, was das da war für mich, war dann so: Nee, also für das mach ich es dann nicht mehr.

Das Verrückte ist irgendwie: Ich selbst hab es teilweise gar nicht so wahrgenommen - dass das so mutig ist. Für mich war das dann einfach der logische Schluss: Ich musste es dann gefühlt machen… Und gleichzeitig war da doch irgendwie etwas Angst, weil ich dann erstmal wirklich keinen Job hatte.

Ich hatte gut gespart. Ich hatte ja keine Zeit, um Geld auszugeben. Deswegen war ich erstmal Safe. Und selbst wenn irgendwann was ist, dann ist ja das Arbeitslosengeld immer noch möglich. Du hast da jahrelang eingezahlt. Und das ist auch nicht schlimm, es zu nutzen. Ich hab sowohl das Arbeitslosengeld genutzt, als auch den Gründungszuschuss. Und das ist super hilfreich, um wirklich gut zu starten, ohne sich enorme Sorgen machen zu müssen. (…) Selbst wenn ich irgendwann sag „Das funktioniert nicht,” dann muss ich mir eben wieder einen Job suchen, oder eben Arbeitslosengeld nehmen. Das dauerte aber auch erstmal, bis es so war: Es ist auch okay, das zu tun und Hilfe anzunehmen. Das ist für mich ein Faktor, der ist bis heute noch da. (…)

Wie hat denn dein Umfeld darauf reagiert?

Also es war für alle sehr überraschend. Das Thema berufliche Unzufriedenheit das war schon bekannter, sage ich jetzt mal. Aber das mit der Beziehung, damit hat gar keiner gerechnet. Also das war für alle wirklich so: „Wie, du hast dich jetzt von ihm getrennt? Also wir haben alle gesehen, dass ihr heiratet und Kinder habt.” Also das war für sie so: „Krass.” Und meine Eltern waren auch sehr berührt. Also die waren wirklich so: „Wir haben ihn ja auch ins Herz geschlossen. Wieso ist er denn jetzt nicht mehr da?” Und auch seine Eltern haben sich Sorgen um mich gemacht, ob das jetzt vielleicht eine Kurzschlussreaktion irgendwie ist

Aber letztendlich war es auch spannend, dass sich mein Umfeld in der Zeit mit verändert hat. Also ich habe über das Seminar ganz tolle Frauen zum Beispiel kennengelernt, mit denen ich jetzt super eng befreundet bin, und die ähnliche Sachen durchgegangen sind. Manchmal auch später. Also die eine zum Beispiel, die hat irgendwie ein halbes Jahr später dann das Thema Trennung gehabt. Oder das Thema Beruf war auch schon länger Thema. Das ist echt spannend, dass sich das gleich auch verändert hat, dass dann auch Selbstständige dazugekommen sind, sodass ich auch gleich wieder die Unterstützung hatte. Und meine Freundin, die ich schon länger kenne, die war auch erstmal so: „Krass.” Und irgendwann haben die sich so daran gewöhnt: „Die neue Jana. So, die jetzt plötzlich verrückte Entscheidungen trifft.” Das war dann quasi normal irgendwie. Das ist jetzt mittlerweile so: „Bei Jana hat sich schon wieder was verändert, alles klar.” Also nicht irgendwie mit Vorwürfen oder so. Was dann kommt, sind Sorgen, so wie: „Wie machst du das jetzt finanziell?” Oder jetzt war teilweise das Thema, dass ich keine feste Wohnung hatte, dadurch dass ich erstmal auf Reisen war. Und da waren schon manchmal so Fragen: „Wie gehst du damit um?” Aber es war nie mit Vorwürfen oder so verbunden, sondern eher mit ihren eigenen Sorgen. Und für mich war das dann so: Okay, das nehme ich jetzt nicht an, das mache ich nicht zu meinen eigenen Sorgen, sondern wirklich so zu sehen: Das sind ihre, das hat nichts mit mir zu tun. Sie sind es gewohnt, einen festen Job zu haben und einen Partner vielleicht, und sie wollen das so und das ist gut so. Und bei mir war es halt so: Nee, ich möchte jetzt mal was Neues. Ich probiere es jetzt mal aus. Ich gehe jetzt in die Selbstständigkeit und schaue, wie sich das entwickelt. Und auch beziehungsmäßig hat sich das vielfältig verändert seit dieser Zeit.

Inwiefern?

Da war von verrückt bis wieder in der Beziehung alles dabei. Also von ich hab mein Single-Leben voll genossen, was ich nicht kannte. Ich war fast 9 Jahre lang in einer Beziehung. Und dann in einer Fernbeziehung, weil ich auf Reisen war und da jemanden kennengelernt habe, beinahe zu ihm gezogen wäre. Das ist aber auch auseinander gegangen. Und jetzt bin ich Single. Und für mich ist gerade so der Moment: Es ist wirklich mal an der Zeit, für mich zu sein, und nicht schon wieder in die nächste Geschichte - wie auch immer die aussieht. Ich bin jetzt mal für mich. Ich lege den Fokus auf mich, mein Business, meinen Teilzeitjob und gehe da rein. Und wenn jemand kommt, dann kommt derjenige, aber das ist jetzt nicht so: Ich muss jetzt unbedingt einen Partner haben, sofort und gleich. Auch wenn ich „31” bin, aber das ist für mich: Das kommt. Wenns richtig ist, dann kommt’s.

Was hat denn die Entscheidung alles für dich verändert?

Vor allem erstmal hat sich durch beides total verändert, wie es mir ging. Mir ging es einfach viel besser. Ich brauchte schon noch eine Zeit, um das Gesundheitliche alles für mich aufzuarbeiten, das ist schon noch ein Prozess gewesen. Und ist auch immer mal wieder präsent und kann ich aber mittlerweile zuordnen. Wenn ich mir selber Stress mache, dann sehe ich mittlerweile, dass das dann auch Auswirkungen auf meinem Körper hat.

Was sich verändert hat definitiv ist der Wohnort. Ich war dann bei meinem Ex ausgezogen und bin erstmal zu meinen Eltern, bin dann auf Reisen gegangen und dann wieder gekommen. Und dann bin ich nur in Untermietverhältnissen gewesen oder eben bei meinem Partner damals, also bei dem, zu dem ich beinahe gezogen wäre. Und das hat alles so sehr aufgerüttelt, aufgebrochen. Also ich war so sehr in der Sicherheit - quasi klare Linie: Ich studiere, ich arbeite, ich kriege Kinder, ich heirate. Es war so eine ganz klare Linie. Mein Weg war voll mit Sicherheit verknüpft. Es war dann aber das Gegenteil eigentlich: Es mischte bald Unsicherheit rein, aber gleichzeitig totale Freiheit für mich - die aber auch schwankt. Also ich habe auch Phasen, wo ich so denke: Oh, jetzt brauche ich wirklich mal wieder eine Wohnung. Oh, jetzt verlässt er mich, zu dem ich eigentlich ziehen will. Er nimmt mir meine Sicherheit. Und dann so: Nee, kann er ja gar nicht. Die habe ich ja in mir.

Was sich mit der Entscheidung noch verändert hat ist, was ich schon angedeutet habe, das Umfeld. Am Anfang war der Kontakt zu den ehemaligen Kollegen auch noch irgendwie da. Der ist aber auch immer immer weniger geworden. Und jetzt habe ich wirklich noch minimal Kontakt noch zu ihnen. Teils auch von meiner Seite aus, teils aber auch von deren Seite aus. Die sind halt mit ganz anderen Dingen beschäftigt, als ich.

Und wie gesagt, da sind dann auch einfach neue Menschen mit dazugekommen, die auch viel besser verstehen, was Persönlichkeitsentwicklung zum Beispiel angeht. Was ich mit mir alles mache. Die aber auch verstehen, was eine Selbstständigkeit bedeutet. Oder aber auch Beziehungen bewusster zu leben, das ist auch ein Faktor, der da eine große Rolle spielt. Und gleichzeitig sind trotzdem auch feste Beziehungen geblieben. Also ein paar Freundinnen von mir, die sind einfach da. Das ist total schön, dass es da noch so eine feste Komponente gibt für mich. Wobei jetzt auch nicht so ist… es würde für mich jetzt keine Welt zusammenbrechen. Natürlich wäre es hart, wenn jemand von denen nicht mehr da wäre, aber es würde mich jetzt nicht zerreißen. Das habe ich jetzt in der Zeit danach für mich gelernt… meine Festigkeit in mir, was das leichter macht sozusagen.

Was sich auch verändert hat: die Familie ist schon noch ein Faktor. Die hat hält schon teilweise für ziemlich verrückt und verstehen gar nicht, was ich tue. Also so dieses: „Wie, du arbeitest online? Was heißt das? Was machst du denn da? Also machst du überhaupt was?” Und seitdem ich jetzt den Teilzeitjob habe, ist es für mich ein bisschen so: Oh gut, das kann ich ein bisschen mehr erklären, was ich da mache. „Also ich arbeite da für einen Coworking-Space und da ist ne Kita mit dabei und mache da, was da so anfällt,” und das verstehen sie wieder. Damit haben sie einen Bezug und für die ist das dann so ein bisschen so: „Ah, da hat sie so ihre Sicherheit.” Und gleichzeitig denken sie, was ich sonst mache, ist „crazy.” Ich glaub ich hab noch nicht mal so richtig meiner Oma versucht zu erzählen, dass ich Energiearbeit mache. Da würde sie glaube ich wieder vermuten, dass ich meinen Kopf verloren habe. (…) Also meine Eltern verstehen es schon mehr, aber auch nur teilweise. Es gibt einige Aspekte davon, mit denen haben sie keine Verbindung. Das wird sich schon noch entwickeln irgendwie. Gerade meine Mama ist da sehr aufgeschlossen. Wenn ich ihr erzähle, ich mache bei einem Retreat mit zum Thema so und so, dann recherchiert sie auch mal dazu und ist dann auch ein bisschen informierter, hat manchmal aber auch an der falschen Quelle recherchiert und wundert sich, was ich da mache und das passt dann nicht zusammen. An sich, das ist das Schöne, sie ist zumindest interessiert. Aber für mich ist es auch so: Ich weiß, dass es für mich gut ist, und dann ist es auch gut. Ja, es wäre auch schön, wenn sie wüssten, was ich tue und wenn sie es verstehen würden. Aber es ist für mich mittlerweile so ein „nice to have.” Ich bin froh, dass ich weiß, wofür ich stehe: Dass ich Frauen bestärke, ihren eigenen Weg zu gehen und auf sich selbst zu vertrauen vor allem, ihrer Intuition zu vertrauen und zu sagen: „Ja, diese leise Stimme, die da in mir spricht, die hat recht. Ich kann ihr vertrauensvoll und mutig folgen.” (…)

Mit der Entscheidung habe ich nicht nur Mauern durchbrochen, indem ich eine Beziehung beendet und den Job beendet hab. Sondern ich habe auch meine inneren Mauern durchbrochen.

Und ist dadurch auch die Idee entstanden, dein Coachingthema eben darauf zu richten mit dem Slogan „Follow your heart”?

Genau dadurch ist das entstanden. (…) Bei mir war es halt so: Wonach orientiere ich mich denn? Was ist denn das, was dazu passt? Und da war das Thema Jobveränderung am Anfang so ein bisschen, dann aber auch Beziehungen. Und dann war das so: Nee, das ist es nicht, sondern da ist mehr dabei. Das gehört irgendwie alles zusammen. Und dann mein Herzöffnungsmoment auf meiner Reise in Kambodia war dann so: Okay, das ist der rote Faden. Ich folge meinem Herzen und zeige anderen, wie es geht und ermutige andere, darauf zu hören, was ihr Herz ihnen sagt. Das habe ich quasi automatisch schon gemacht, ohne, dass ich es im Coaching gemacht habe. Und dann war dann so: Okay, das ist mein Thema!

Wie gehst du denn allgemein mit Entscheidungen um? Weil du hast ja im Voraus auch angesprochen, dass du manchmal Entscheidungen nicht so mutig treffen kannst. Also worauf kommt es denn an? Weißt du das?

Schon auch darauf, wie ich mich fühle. Wenn irgendwie in mir selber gerade eine Unsicherheit, ‘ne große da ist… und aus einer Unsicherheit heraus entscheiden ist irgendwie nicht so. Für mich habe ich gelernt: Wenn ich mich unsicher fühle, warte ich lieber nochmal. Vielleicht ist es noch nicht der richtige Moment, um das zu entscheiden.

Wenn ich dann aber wieder im Vertrauen bin, dann ist es leichter. Also wenn ich wieder für mich so gemerkt habe: Okay, ich habe mich jetzt unsicher gefühlt, aber ich kann eigentlich darauf vertrauen, dass es funktioniert. (…) Für mich sind Entscheidungen auch so ein Prozess. (…) Das passiert nicht so auf einmal, sondern es braucht ein Stück. Und dann ist es auch sehr unterschiedlich: Mal hilft es dann, wenn von außen Input kommt, und manchmal auch nicht so.

Und manchmal ist es aber gerade, wenn dann so Kritik kommt oder irgendwas, das mich so anpiekst, dann ist so: Okay, die kommt damit jetzt nicht klar, aber für mich ist es immer noch das Richtige. Weil das hat gerade nichts mit mir zu tun, was sie mir da erzählen. Oder halt: Oh Gott, das macht mich total… Moment. Vielleicht sollte ich nochmal darüber nachdenken. Beziehungsweise nochmal da einfühlen: Ist es denn jetzt das Wahre? (…)

Was ist dir in deinem Leben wichtig?

Das erste, was mir in den Sinn kam, sind tiefe Verbindungen. Mir ist es total wichtig, mit Menschen eine tiefe Verbindung zu haben. Wirklich richtig gute Freunde zu haben, mit denen ich mich austauschen kann, wo ich mich verstanden fühle. Das Oberflächliche kann ich nicht. Also wenn ich das erlebe, dann will ich am liebsten gehen und manchmal mache ich das auch, beziehungsweise treffe ich mich mit den Menschen nicht mehr irgendwann.

Ich und meine Gesundheit, das ist definitiv ein großer Faktor, der sich auch stark verändert hat durch die Entscheidung, dass ich viel mehr darauf achte, was ich esse, dass ich Yoga mache, dass ich Pausen einlege. Sowas ist mir enorm wichtig. Wirklich Zeit für mich zu haben.

Was schon immer mal ein Thema war, das war auch im alten Job so: Veränderungen. Also ich habe einen ziemlichen Drang nach Veränderung, auch manchmal mit dem Nebeneffekt, dass ich mir dann doch wieder Sicherheit wünsche und nicht so viel Veränderung. Aber ich brauche immer eine gewisse… nenne ich sie eher Abwechslung. Also Abwechslung brauche ich immer und das ist das Schöne, dass ich in meiner Selbstständigkeit das habe, weil ich selber entscheiden kann, was ich jetzt als neues Produkt rausbringe, mit wem ich zusammenarbeite, was ich jetzt an Marketingsachen mache, was nicht. Und auch in dem Teilzeitjob ist es ähnlich, wobei ich mir da mittlerweile wünsche, dass da einfach und balanciert ist. Dass da nicht so viel Veränderung passiert, damit ich eben viel mehr Energie für meine Selbstständigkeit habe.

Welchen Rat möchtest du anderen auf den Weg geben, die gerade vor einer schwierigen Entscheidung stehen?

Also definitiv aufs Gefühl hören, also vielleicht erstmal einen Schritt zurück. Vielleicht erstmal für dich herausfinden in deinen vergangenen Entscheidungen: Wie hast du sie getroffen? Das mal nochmal zu reflektieren und zu schauen: Wie war das da? Was war der ausschlaggebende Punkt, weswegen ich mich dann für etwas entschieden habe? War das mein Herz, das gesagt hat: Ich muss da jetzt hin, oder war das ein Gefühl, das da war? War das ein gutes Gefühl? Und wie hat es sich angefühlt, dem zu folgen? Und dann auch darauf zu vertrauen und bei einer Entscheidung zu bleiben. Wenn sich jetzt natürlich die Bedingungen ganz drastisch verändern, klar, dann sich auch die Entscheidung verändern. Aber dann auch bei der Entscheidung zu bleiben und dem zu folgen. Und vielleicht auch wenn es irgendwie eine größere Sache ist, vielleicht einen kleinen Schritt erstmal auf die Entscheidung zuzumachen, statt so das ganze große Ding sich vorzunehmen, was dann halt überlastend sein kann. Das kann ich sehr empfehlen. (…)

Eine letzte Frage habe ich noch: Würdest du dich denn insgesamt als eine entschlossene, oder eher unentschlossene Person bezeichnen?

Eher entschlossen. Also tendenziell eher entschlossen. Es gibt halt manchmal so Situationen, wo ich es irgendwie nicht kann. Aber für mich ist mittlerweile auch so wirklich dieses: Wenn ich es halt nicht gerade entscheiden kann, dann ist es scheinbar noch nicht dran. (…) Es ist manchmal nicht schlecht, nicht entscheiden zu können, weil es uns dann doch auf den richtigen Weg führt. Oder auch einen vermeintlichen Umweg, der noch viel viel schöner ist.

___

Jana bestärkt als Empowerment Coach Menschen darin, auf ihr Herz und damit ihre Intuition zu hören. Diese in Balance mit ihrem Verstand einzusetzen, sodass sie mit Selbstvertrauen und Mut auf ihren Herzensweg gehen können und ein erfülltes Leben erhalten. Mehr Infos dazu findest du auf ihrer Website.