Mutige Entscheidungen: Sandra arbeitete aktiv an ihrem Selbstbewusstsein und begleitet heute zurückhaltende und schüchterne Frauen dabei, aus sich raus zu kommen

Hier in meiner Wochenserie teile ich Geschichten von Menschen mit dir, die mutige Entscheidungen getroffen haben. 
Warum? Weil ich dich und andere dazu inspirieren möchte, deinen Weg zu finden und zu gehen. Ich möchte durch diese Geschichten dich und andere ermutigen, weniger an den eigenen Zweifeln und Ängsten festzuhalten, sondern es einfach mal zu wagen.

Heute geht es mit Sandra weiter.

Sandra und ich folgen einander schon eine Weile auf Instagram. Ich finde nämlich wirklich spannend, wie sie sich mit dem Thema Schüchternheit auseinandersetzt und in ihrer Arbeit auch andere dabei unterstützt, mehr für sich einzustehen. Und als sie sich bei meinem Aufruf bei mir gemeldet und sich bereit erklärt hat, mit mir über ihre mutigen Entscheidungen zu sprechen, hab ich mich riesig darüber gefreut! Sie schrieb mir: „Wirklich mutige Entscheidungen habe ich getroffen, 1. vor den Geburten, 2. mich mit mir persönlich zu beschäftigen und damit selbstbewusster wurde. Und auch mich 3. selbstständig zu machen.” Kurze Zeit später kamen wir dann zu einem Gespräch zusammen:

Magst du ein wenig darüber erzählen?

Es begann damit, mir einzugestehen, dass es so wie bisher nicht weiter geht, so wie ich mich jetzt verstecke, wenn ich mit anderen Menschen zusammen bin. Ich habe die Entscheidung getroffen, etwas zu verändern. Immer wenn ich mit anderen Leuten zusammen war, habe ich mich richtig schlecht gefühlt, ich hatte Angst. Damit wollte ich aufhören. Ich habe echt innerlich gespürt: Ich möchte mit Menschen im Kontakt sein. Ich will mit ihnen reden, aber ich habs nie geschafft, den Mund aufzumachen.
Ich besuchte ein Seminar.

Was genau hast du da gemacht?

Gute Frage. Ich hab quasi mich mit mir selbst beschäftigt. Ich habe mich gefragt: ‚Was will ich eigentlich in meinem Leben?` und ‚Was macht mir Spaß?‘

In dem Seminar habe ich eine Erfahrung gemacht, die so wunderbar war, dass ich sie nie wieder verlieren wollte. Ich habe einen Prozess erlebt, der mir zeigte wie es ist, ohne diese Angst zu sein. Du kannst dir das so vorstellen, als würde ein Schmetterling über die Wiese fliegen. So leicht war ich.

Ich wusste, dass ich immer wieder zurück zu dieser Erfahrung kann. Ich muss mich nur trauen, aus mir raus zu kommen. Klar, zurück im Alltag hat sich das noch mal wieder verändert, aber es war immer wieder der Gedanke und der Wille da: Ich will in diese Leichtigkeit.

Gibt’s da so bestimmte Dinge, die du getan hast, damit du dieses Gefühl auch weiterhin in dir tragen kannst?

Im Alltag?

Ja, oder gab’s bestimmte Situationen, die du dir vorgenommen hast und bei denen du dir beweisen wolltest, dass du das jetzt tatsächlich auch so umsetzt?

Na klar, ich habe mich den Ängsten konfrontiert. Zum Beispiel bin ich alleine einen Kaffee trinken gegangen. Alles Schritt für Schritt.

Oder beim Einkaufen an der Kasse, die Personen vor mir, zu fragen: „Hey, können sie mich vorlassen? Ich hab nur eine Sache”. Außerdem sprach ich mit Personen die mir Angst gemacht haben, zum Beispiel mit den Freunden meines Mannes und teilte ihnen mit, wie es in mir aussieht. Ich erfuhr, dass sie mich mochten, obwohl ich zurückhaltend bin.

Haben sie dich da auch darauf angesprochen? Oder hast du von selber…

Nein, mich hat niemand darauf angesprochen. Ich weiß es nicht, aber kann ich mir gut vorstellen - dass wenn sie mich darauf angesprochen hätten, befürchteten sie, ich würde sofort anfangen zu weinen. Das ist meine Vermutung.

Ich finde es total schön und auch mutig, dass du bewusst diese Mutproben gemacht hast und auf die Menschen zugegangen bist, und ihnen dann auch so offen gegenüber warst. Wie haben denn deine Freunde darauf reagiert?

Auch sehr unterschiedlich. Es hat sich einiges verändert, weil meine Sichtweise anders wurde und ich mich damit beschäftigt habe, wie ich selbst vorankomme und was ich verändern kann um ein positiveres Leben zu führen.
Eine Freundin, zum Beispiel, mit der ich vorher richtig eng war, die hat das alles gar nicht verstanden, dass ich jetzt anders sein will. „Du bist doch gut, so wie du bist.’’, sagte sie. Seitdem haben wir keinen Kontakt mehr.
Meinen Freundeskreis habe ich dadurch ausgetauscht und ich hatte auch nur maximal fünf enge Freunde.

Magst du denn nochmal kurzfassen, was diese Entscheidung, einfach ingesamt mutiger zu werden, für dich verändert hat?

Die Entscheidung zu treffen, nicht mehr schüchtern sein zu wollen, hat bereits etwas in mir ausgelöst. Es gab eine Kraft in mir, die mir geholfen hat mich zu trauen, das Thema anzugehen. Ich dachte mir, schlimmer kann es nicht werden.

Hätte es wirklich nicht mehr schlimmer werden können?

Ja, eigentlich hätte es ja noch schlimmer werden können, Depression oder auch Burnout hätten folgen können. Davor wollte ich mich bewahren.

Also war diese Entscheidung dann vielleicht wie ein Selbstschutz?

Ja, vielleicht.

Was bedeutet dir diese Entscheidung?

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, bin ich total dankbar, dass ich das gemacht habe. Ich bin dankbar, dass mein Mann da war und dass er mir Fragen gestellt hat, wie z.B. Was macht dir Spaß? Was kannst du gut?. Dankbarkeit bedeutet es mir.

Dadurch, dass du ja jetzt mutiger geworden bist: Hat sich denn dein Verhalten mit Entscheidungen insgesamt verändert? Also gehst du Entscheidungen jetzt anders an, als vorher?

Ja und manchmal bin noch sehr unsicher, wenn ich Entscheidungen treffe: Ich zweifele daran, ob es die richtige Entscheidung ist. Ein bisschen lockerer bin ich geworden, wenn es eventuell doch nicht die richtige Entscheidung war, weil ich gelernt habe, noch einmal zu wählen und es gibt dann noch andere Möglichkeiten. Es ist immer eine Angst da, falsche Entscheidungen zu treffen, aber es ist okay, eine falsche Entscheidung zu treffen, weil dann gibt’s eine andere Entscheidung. Und es geht weiter.

Tendierst du insgesamt eher zu einer unentschlossenen Person, oder befindest du vielleicht sogar in der Mitte zwischen entschlossen und unentschlossen?

Ja, also Tendenz zu in der Mitte, aber eher unentschlossen.

Kennst du denn so typische Situationen, in denen du wirklich selten Entscheidungen treffen kannst, und umgekehrt Situationen, in denen du dich eigentlich schnell und ganz klar schnell entscheiden kannst?

Unentschlossen bin ich häufig... Zum Beispiel schaut mein Sohn ein Video und ich will, dass er das Video ausmacht, dabei will er es noch nicht ausmachen. Manchmal, wenn ich mir selbst unsicher bin, ob jetzt wirklich der Zeitpunkt ist, dass ich das auch will, dann lasse ich mich schnell von ihm überzeugen, dass er weiterschauen darf. Bin ich mir aber sicher, dann kann ich auch seinen Ärger dazu aushalten. Ich kann mir vorstellen, dass auch mein Sohn meine Unsicherheit spürt.

Überlegst du, was insgesamt für Kinder richtig ist, oder was gerade richtig für dich und deine Söhne ist?

Genau, dabei hadere ich mit mir selbst. Ist es richtig für die Gesellschaft? Oder ist es richtig für mich? Und eigentlich darf ich lernen zu achten, was richtig für mich und meine Kinder ist.

Auch ingesamt, was die Erziehung angeht, meinst du?

Nein, dabei habe ich schon ein klares Ziel, aber ich bin unentschlossen, wenn jemand eine andere Meinung hat. Ich überlege dann noch einmal: Sollte ich mich vielleicht doch zurückziehen? Aber wenn ich jetzt nicht meiner Meinung standhalte, dann wirke ich wieder nicht klar genug und unentschlossen. Ja… da lerne ich noch dazu.

Kennst du Situationen, wo es eher umgekehrt ist bei dir?

Ganz sicher entschlossen war ich, weil ich mich überhaupt persönlich weiterentwickeln wollte und das war die sicherste Entscheidung meines Lebens.
Als zweites, mich für eine Hausgeburt bei unserem zweiten Sohn zu entscheiden, und beim ersten Kind kurz nach der Geburt nach Hause zu gehen.
Als drittes war ich sicher, dass ich anders mit ihnen umgehen möchte, als ich es damals erfahren habe. Ich wollte sie nicht schreien lassen, sie stillen, und ich habe sie getragen.

Dabei war ich mir absolut sicher.

Ja, ich höre da auch raus, dass du da auch ganz anders darüber sprichst. Du klingst wirklich sehr sehr entschlossen, wie du dazu stehst. War die Hausgeburt, und auch bei der anderen Geburt, das Verlangen da, wieder früh nach Hause zu gehen, weil du dich Zuhause sicherer, dich geborgener fühlst?

Nein so nicht. Ich habe mich auch im Krankenhaus wohlgefühlt, aber ich wollte mich nicht dem System annehmen. Nur weil es alle machen, drei Tage im Krankenhaus zu liegen, obwohl es der Frau gut geht, das wollte ich nicht.

Ich würde gerne noch auf das Thema Selbstständigkeit eingehen: Wann hast du gemerkt, dass du lieber selbstständig arbeiten möchtest?

Ich wollte unabhängig von Zeiten sein, die mir ein Arbeitgeber gibt und ich wollte meine Zeiten selbst einteilen, um vormittags arbeiten zu können und am Nachmittag für die Kids da zu sein. Das war mein Wunsch, selbstständig zu sein. Während der Elternzeit erkannte ich meine Berufung und begann damit Frauen zu begleiten, sich zu trauen, für sich einzustehen.

Darf ich fragen, was du davor gemacht hast als Angestellte?

Ich habe als PTA in der Apotheke gearbeitet.

Hat es dir viel Mut abverlangt, zu kündigen? Also hingen da so Zweifel mit dran, was für Konsequenzen es möglicherweise haben könnte, oder war es dir ganz klar und hast dich damit gut gefühlt, zu sagen: „Ich kündige den Job und arbeite dann selbstständig als Coach?”

Ich stellte mir die Frage: Ist es okay, wenn mein Mann Hauptverdiener ist und ich nicht so viel verdiene, oder mal gar nichts? Aber er hat mir die Sicherheit gegeben und sagte „Du musst nichts verdienen. Ich mach das alles für uns, und was du dazuverdienst, ist super.” Damit hat er es mir leicht gemacht, einfach zu kündigen. Ohne diese Sicherheit hätte ich mich nebenbei selbstständig gemacht, wüsste aber, dass ich das nur schwer erreichen könnte. Ich bin glücklich und dankbar so wie wir das gelöst haben.

Welchen Rat möchtest du anderen geben, die gerade vor einer schwierigen Entscheidung stehen?

Höre auf dich, oder höre in dich hinein: Was willst du wirklich in deinem Leben? Achte und höre nicht darauf, was wollen die anderen, sondern: Was willst du wirklich?

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Sandra begleitet als Coach & Mut-Macherin zurückhaltende, schüchterne Frauen, sich zu trauen, aus sich raus zukommen. Damit sie sicherer werden, für sich einstehen und wissen wie sie mit Menschen reden können.

Mehr Infos findest du auf ihrer Website.